Herzlich Willkommen bei der Skiläuferzunft Leutkirch!

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Aktuelles, Bericht Rad · Carmen Notz

12.05.2013

Organisatoren Gerd Heine und Georg Kneipp, 24 mal dabei Peter Ammann (rechts)

Jubiläum: 25 Jahre Radsportwoche mit Schorsch Kneipp und Gerd Heine

TSG-Radsportler sind seit mehr als zwei Jahrzehnten insgesamt 600.000 Kilometer im Süden unterwegs gewesen

Zehn Mal Toskana, sechs Mal andere italienische Provinzen, sechs Mal Österreich, drei Mal Südfrankreich, ein Mal Istrien und ein Mal Deutschland am Kaiserstuhl – das ist die „Landschaftserlebnis-Bilanz“ von etwa 45 Radsportlern, die seit dem Jahr 1989 nun zum 25. Mal unter Leitung von Schorsch Kneipp und Gerd Heine an Pfingsten in die Radsportwoche 2013 starten. Umbrien, die Gegend um den Lago di Trasimeno haben sich die beiden TSG-Skiläuferzunftsfunktionäre nicht nur als Jubiläumsfahrt ausgewählt, sondern auch als Abschied des von ihnen initiierten und äußerst erfolgreichen Angebot innerhalb des Skivereins.

Wenn die beiden von ihren 24 Radurlauben erzählen, kommen sie und auch die Teilnehmer aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Unzählige Erinnerungen sind mit den ebenfalls unzähligen Kilometern auf Südeuropas Straßen verbunden. Viele Leutkircher kennen von den Radsportwochen her die Toskana, das Piemont oder die Provence in Südfrankreich besser, als manche Gegenden zu Hause. Dass dieses Angebot mehr als zwei Jahrzehnte so ein Renner werden würde und immer schon Monate zuvor ausgebucht ist, ist den beiden Mitgliedern Schorsch Kneipp und Gerd Heine zu verdanken, die auch sonst in der TSG ehrenamtlich engagiert sind.

Begonnen hat das gemeinsame Radeln Mitte der 80-er Jahre

Begonnen hat es mit dem Radeln in einem Skiverein zum einen durch Erich Zorn, der innerhalb des Sommerprogramms eine Familienradtour angeboten hat. Auch Langlauftrainer Roland Ammann trainierte seine nordischen Schützlinge im Sommer mittels Radfahren. 1987 wurde erstmals eine sogenannte Halbprofi-Tour angeboten, weil immer mehr Leute ein Rennrad besaßen. „Wir fuhren damals gut 100 Kilometer und es waren gleich 37 begeisterte Teilnehmer“, erinnert sich Gerd Heine über die diese Tour zum Schüttentobel und ins Weitnauer Tal. Skilehrer Udo Kaestle, Freddy Hafner und Gerd Heine riefen 1987 auch den wöchentlichen Radtreff der TSG-Skiläuferzunft ins Leben. Man bot verschiedene Gruppen an, weil Räder und Konditionen doch sehr unterschiedlich waren.

1988 war Gerd Heine mit einigen Freunden zum ersten Mal in der Nähe von Cecina/Toscana, um dort zu radeln. Voller Begeisterung über die schöne Landschaft, die ruhigen kleinen Sträßchen, die Dörfer mit kleinen Trattorias und die Kultur in Städten wie Volterra, kam er zurück und besprach sich mit Schorsch Kneipp. In einem Prospekt von Sport-Schek München, der dort eine Woche Radurlaub anbot, entdeckten sie ein passendes Hotel für größere Gruppen in Roccastrada und sagten sich: Das machen wir auch. Viel Werbung brauchte es gar nicht im Verein. Im Frühjahr 1989 fanden sich 54 Radfreunde für die erste Radsport-Urlaubswoche zusammen.

Im Privatauto-Konvoi ab in Richtung Süden

„Wir fuhren in einem Konvoi von 15 Privatautos Richtung Italien, hatten die Räder auf dem Dach, kämpften uns durch die Stadt Florenz und kamen nach vielen Stunden über Feld- und Kieswege in Roccastrada an“, schmunzelt Schorsch Kneipp, der für Buchung und Abrechnung zuständig war, während Gerd Heine die Radtouren zusammenstellte. 54 Radler kamen hocherfreut und begeistert von dieser Woche zurück und damit war ein gemeinsamer Vereins-Radurlaub nicht mehr wegzudenken. 1990 charterte man einen Hutter-Bus für die Fahrt in die Toskana und lieh sich einen Fahrradanhänger für 40 Räder bei Fahrrad-Ohmeyer aus. „Das war eine Kugelfuhr, bis alles verstaut war“, meint Gerd Heine und so ging es für drei Jahre weiterhin in die Toskana.

Endlich einen „eigenen“ Anhänger – Tüftler sind gefragt

Doch dann gab es den Anhänger nicht mehr zu leihen. Im Verlauf eines Gesprächs darüber mit Geschäftsführer Reinhold Hutter bot dieser an. den Anhänger zu kaufen und das Erfolgsmodell Radsportwoche ging weiter. Allerdings musste im Anhänger eine Spezialkonstruktion mit Winkelrahmen angebracht werden, die Gerd Heine unter Herman Utz austüftelten und selber einbauten. Nun konnten 44 Räder untergebracht werden, doch das Beladen war immer noch eine große Aktion. 1994 erkundete man erstmals Burgund in Frankreich, 1998 stand das Burgenland in Österreich, 2002 Istrien/Kroatien, 2004 Deutschland/Kaiserstuhl und 2011 Kärnten auf dem Programm, dazwischen immer wieder Italien mit seinen verschiedenen Provinzen.

Peter Heilig und Peter Ammann fast immer dabei

Neben Schorsch Kneipp und Gerd Heine mit ihren Frauen war Peter Heilig ebenfalls alle 24 Mal und Peter Amman 23 Mal mit dabei. Anita Muderer, Hermann Uetz, Gerda Benda und Herrmann Mohr kommen ebenfalls auf mehr als 20 Teilnahmen. Bis heute sind es durchgehend gut 50 Teilnehmer. „Gerd und Schorsch sind geniale Rad- und Reiseleiter. Nicht nur die Touren waren sehr abwechslungsreich, auch die ausgewählten Hotels waren sehr gut und die ganze Organisation perfekt. Auch wenn das Wetter mal nicht so mitgemacht hat, die beiden hatten immer etwas auf Lager und es gab nie Langeweile“, sagt Peter Ammann, 1996 waren neben den Rennradsportlern auch die AOK-Radler dabei, die etwas beschaulicher die Gegend erkundeten.

 

Immer mit Radhelm – immer mit Kultur und feiner Küche

Von Anfang an wurde nicht nur geradelt und zwar seit Beginn der 90-er Jahre mit Radhelm, sondern es gab auch immer einen Tag mit Kultur, d.h. man fuhr mit dem Bus zu einer Stadt oder zu geschichtsträchtigen Orten, wo man Führungen oder Besichtigungen machte, sodass man die Region auch noch von einer anderen Seite kennenlernte und nicht nur über die Straßen und Wege. Mancher Teilnehmer ist durch die Radsportwochen zu einem Italien- oder Frankreichliebhaber geworden, man lernte die südländische Küche schätzen, genoss den Cappuccino nach der Rückkehr am Nachmittag auf der Terrasse des Hotels oder gönnte sich gar  ein Viertel Rosso oder Bianco. Oft wurden in den italienischen Gasthäusern schon morgens in der Küche die Teigwaren wie Ravioli oder Pasta von Hand selbst hergestellt, Kräuter aus dem Garten verwendet.

 

Einige Anekdoten bleiben für immer unvergesslich:

Gerd Heine und Schorsch Kneipp erinnern sich:

„Dass 50 Allgäuer morgens so viel reinhauen können und auch abends ganze Büffets leerräumen, das musste man früher so manchen Hotelbesitzern erst mal erläutern. Bei Touren zwischen 60 und 150 Kilometer, hatten die Leute einfach Hunger und wollten entsprechend verköstigt werden. Die deutsche Disziplin, dass alle 50 Radler morgens um punkt halb zehn mit dem Rad vor dem Hotel zur Abfahrt bereit standen, rief in südlichen Ländern ebenfalls immer wieder Erstaunen hervor. Manchmal war der Radurlaub auch eine Trinkkur im Kurhotel. Einmal hatten wir abends einige Flaschen Wein getrunken und sind am nächsten Tag genauso wie jeden Tag auf Tour. In einem Hotel in der Toscana wurde für unsere Gruppe extra eine Übersetzerin namens Maria Rosa eingestellt, weil sonst dort niemand deutsch konnte!

Komplett verfahren – mit Polizeischutz runter von der Autobahn

Eine Gruppe hatte sich mal komplett verfahren und kam erst abends um halb acht zurück zum Hotel, gerade noch rechtzeitig zum Abendessen. Ein weitere Gruppe kam versehentlich mal auf die Autobahn zwischen Assisi und Perugia, was von der Policia schnell vereitelt wurde und die Allgäuer zurück auf die Landstraße begleitete. Viele der Teilnehmer haben sich toll eingebracht und bunte Abende mit Spielen und Musik gestaltet. Es wurden Gedichte vorgetragen, wobei hier besonders Gerda Benda und Margarete Rutta viel Lob verdienen. Ottmar Bühler spielte und sang mit der Gitarre und Peter Ammann sorgte für Animationen.

Höhepunkte in Italien und Frankreich

Einer der ganz großen Höhepunkte im wahrsten Sinne war der Urlaub 2006 in der Provence, als der 1912 Meter hohe Mont Ventoux erradelt wurde, auch ein Etappenziel bei der berühmten Tour de France. Die Besichtigung der Bauxit-Steinbrüche sind bleibende Eindrücke, aber auch die groteske Stadt Pittigliano in der Toskana, die natürlichen Thermen Saturnia oder Bagno di Petriolo oder auch das großartige Grand-Hotel in Fratta Therme im vergangenen Jahr bei Cesena in der Emiglia Romana bleiben in Erinnerung. Zu einem Hotel ging es 16 Prozent Steigung 400 Meter lang hoch und einmal fuhr man extra ganz weit zum Giro-Italia, um den Pulk der Radler eine halbe Minute zu sehen.

600.000 Kilometer – fast ohne Unfall, aber viele Plattfüße

Nicht nur die vielen Eindrücke, auch tatsächlich geradelte Kilometer können in etwa errechnet werden: Bei durchschnittlich 500 Kilometern pro Person, mal 50 Teilnehmer sind das 25.000 Kilometer pro Urlaub, mal 24 Jahre sind es etwa 600.000 Kilometer, die ohne nennenswerte Unfälle abgespult wurden. Lediglich Plattfüße, ein einziger Kettenbruch und nur einen Schlüsselbeinbruch durch Sturz aufgrund von Splitt in einer Kurve sind die Negativ-Bilanz von 24 Jahren Radurlaub.

 

Noch einmal geht es mit Gerd und Schorsch in den Süden nach Umbrien

Am Sonntag, 19. Mai, ging es frohen Mutes zur 25. Radsportwoche nach Umbrien, zur Jubiläums- und Abschlusstour von Schorsch Kneipp und Gerd Heine, die zum letzten Mal diesen Vereins-Erfolgsschlager vorbereitet haben. Radeln werden sie natürlich weiterhin, entweder beim wöchentlichen Radtreff oder in privater Runde, bei der sogenannten RRT-Gruppe, dem „Rentner Racing Team“, die jeden Dienstag unterwegs sind.

Diese schöne Vereins-Jubiläumsgeschichte wurde gemeinsam von Gerd Heine, Schorsch Kneipp, Peter Ammann und Journalistin Carmen Notz erarbeitet. 

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